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  1. Elternabend Mut-tut-gut – Absage

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    Liebe Eltern,

    aufgrund der aktuellen Situation, sind alle Elternabende/ -nachmittag bis Ende Mai abgesagt und werden durch ein schriftliches Elterninfoschreiben ersetzt.

    Dieses finden Sie hier als Datei zum download und nachfolgend als Text:

    Informationsblatt Eltern

    Wir alle wollen starke und selbstbewusste Kinder!

    Hier erhalten Sie ein paar kleine Tipps, aufbauend auf die Präventionsprogramme Prima Klima / Mut tut gut, die Ihnen dabei helfen können, ihr Kind noch mehr zu unterstützen und zu einer starken und selbstbewussten Persönlichkeit zu entwickeln. Selbstbewusste und starke Kinder, die wissen, dass sie so wie sie sind okay sind und geliebt werden, werden seltener Opfer oder Täter.

    Loben:

    Dabei ist vor allem eins wichtig: Kinder brauchen Lob und Anerkennung! Leider vergessen wir in der heutigen Zeit das Loben aber viel zu oft. Durch eine leistungsorientierte Gesellschaft, legt man heute überwiegend den Fokus auf Defizite, um diese schnell auszugleichen. Grade bei Kindern wird dadurch das Selbstbewusstsein geschwächt, wenn immer nur darauf hingewiesen wird, was nicht so gut funktioniert. Die Stärken eines Kindes werden dadurch gerne übersehen. Auch entwickeln sich nicht alle Kinder gleich und nicht alle haben die gleichen Stärken. Vielleicht tut sich ihr Kind schwer mit Rechenaufgaben, ist aber dafür unglaublich kreativ, sehr sportlich oder ist sehr empathisch und hilfsbereit. Versuchen Sie, die Stärken ihres Kindes zu sehen und hervorzuheben.

    Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf das, was gut klappt. Z.B.: Die Buchstaben im Heft springen über die Linie … Suchen Sie nach Buchstaben die sauber und ordentlich geschrieben sind. Loben sie die Buchstaben, wie gut diese gelungen sind… Ihr Kind wird sich wahrscheinlich bemühen noch mehr dieser schönen Buchstaben zu schreiben um weiteres Lob zu erhalten.

    Hier ein paar kleine Tipps, die das Selbstvertrauen und die innere Stärke ihres Kindes aufbauen: –
    – Anerkennende, lobende Worte und Gesten sind der einfachste, schnellste und beste Weg, das Selbstwertgefühl ihres Kindes zu stärken. Daher loben Sie wenigstens einmal am Tag ihr Kind, bzw. ein Verhalten von ihm!

    – Ermuntern sie ihr Kind regelmäßig, über sich selbst zu sprechen. Zeigen sie Interesse daran, was ihr Kind Ihnen zu sagen hat. So zeigen sie ihrem Kind, dass sie die Gedanken und Gefühle ernst nehmen.

    – Nehmen sie ihr Kind einmal am Tag in den Arm und sagen sie ihm etwas vergleichbares wie: „Ich bin froh, dass du da bist“

    – Wenn Sie kritisieren müssen, dann das, was das Kind gerade macht, statt das Kind persönlich zu treffen. Also konkret das Verhalten und niemals die Person.

    – Bei Lob sollte es sich um echtes Lob handeln. Ihr Kind kann seit 2 Jahren Fahrrad fahren? Dann ist das kein Grund um es bei jeder Fahrt zu loben.

    Selbstbewusste und geliebte Kinder lassen sich nicht so schnell einschüchtern, holen Hilfe wenn es nötig ist, halten auch mal eine Ungerechtigkeit aus ohne zurück zu schlagen und werden so seltener Opfer oder Täter!

    Regeln:

    Regeln und klare Strukturen, an denen Kinder sich orientieren können, sind wichtig für ihre Entwicklung und bieten ihnen Verlässlichkeit und Sicherheit. Wenn es Regeln gibt, sollten diese auch immer mit sinnvollen Konsequenzen verknüpft sein.
    Hierbei ist zu beachten, dass die Konsequenz in einem Zusammenhang und Verhältnis mit dem Regelbruch steht, möglichst zeitnah erfolgt und nach Möglichkeit im Vorhinein bekannt und vor allem auch umsetzbar ist.

    Z.B.:
    Regel: Ohne zu Fragen gibt es keine Süßigkeiten.
    Regelbruch: Kind nimmt sich was.
    Konsequenz: Nicht fertig essen lassen – wenn es geht (Bonbon aus dem Mund) und heute gibt es keine Süßigkeiten mehr.

    Kinder sollten die Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen. Natürlich wird kein Kind begeistert über die Konsequenz sein, die es nun trägt. Weisen Sie die Schuld von sich ab und das Kind auf seine Eigenverantwortung hin: „Wer hat ohne zu fragen die Bonbons genommen? Dir war die Regel bekannt und auch die Konsequenz die darauf folgt. Es war Deine Entscheidung.“

    Gefühle:

    Alle Gefühle gehören zu unserem Leben dazu. Kinder sollten die Gefühle von anderen miterleben und dabei lernen, dass alle Gefühle okay sind. Das Kind lernt in erster Linie am Vorbild. Eltern müssen nicht immer nur Stärke zeigen. Auch eine Mama darf mal gestresst oder erschöpft sein und braucht vielleicht einen Moment Zeit für sich mit einer Tasse Kaffee. Auch Papas dürfen zeigen das sie traurig oder wütend sind, wenn der Lieblings-Fußballverein verliert.
    Wenn Sie offen mit Ihren Gefühlen umgehen, lernt Ihr Kind, dass alle Gefühle eine Berechtigung haben und wird auch Ihnen gegenüber offen über Ängste und Probleme sprechen. Auch Trauer, Angst und Wut haben ihre Berechtigung.
    Ich darf wütend sein, ich darf nur nicht alles in meiner Wut machen. Bieten Sie sich als Gesprächspartner an, geben Sie Ihrem Kind zu verstehen, dass Sie seine Wut verstehen, dass es aber nicht in Ordnung ist, wenn es jemanden anderen verletzt oder wenn es in seiner Wut jemandem etwas zerstört. Überlegen Sie gemeinsam, welche Alternativen es noch gibt um sich wieder gut zu fühlen.
    (Darüber sprechen, sich mit einem Spiel, Buch oder CD ablenken, etwas malen… Ihr Kind entwickelt bestimmt viele gute Ideen, die es mal ausprobieren könnte)

    Grenzen:

    Der Schutz und die Wahrung der eigenen Grenze, aber auch die Achtung der Grenzen anderer Kinder und Mitmenschen ist ein wichtiger Prozess für ein gutes Miteinander.
    Eine schöne Umschreibung hierfür, die die Kinder auch aus unseren Kursen kennen, ist die sogenannte Seifenblase. Mit dieser kann man den eigenen und auch den Schutzraum der anderen gut beschreiben. In diesen Schutzraum gehört aber nicht nur mein Körper und meine Gefühle, sondern alles was mir gehört und was mir lieb und teuer ist – Meine Freunde, meine Sachen… Was passiert, wenn mir jemand ohne zu fragen zu nah kommt? Wenn jemand an meine Sachen geht? Die Seifenblase platzt oder bekommt Dellen!
    Fragen, die mit den Kindern im Kurs erarbeitet werden, aber auch Zuhause wichtig sind, wären beispielsweise:
    – Wer entscheidet, ob für dich etwas okay ist?
    – Muss jeder deine Grenzen achten?
    – Musst du die Grenzen anderer achten?
    – Was kannst du tun, wenn du etwas nicht willst?
    – Was sagt dein Bauchgefühl?

    Achten Sie auch gerne mal darauf, ob ihre eigene Seifenblase immer gut geschützt wird? Schwangeren Frauen wird gerne der Bauch getätschelt, Kindern über die Haare gestrichen oder es werden Küsschen zur Begrüßung verteilt. Das alles ohne zu fragen, ob diese Gestik überhaupt okay ist. Wir sind Vorbilder und sollten als solche auch nochmal auf unsere eigene Seifenblase achten.

    Was kann ich tun um mein Kind in diesem Bereich – auch im Hinblick auf sexuelle Übergriffe zu stärken?
    Lassen Sie Ihr Kind mitbestimmen. Fragen Sie Ihr Kind ob Berührungen okay sind. Fragen Sie Ihr Kind ob es beim Planschen in der Wanne seine Privatsphäre haben möchten. Lassen sie das Kind entscheiden ob das „Tantenküsschen“ in Ordnung ist, zwingen sie es nicht zur Begrüßung ein „Händchen“ geben zu müssen.
    Das Kind lernt, es darf selbst über sich und seinen Körper bestimmen. Täter fragen nicht ob etwas ok ist… Und wenn die Eltern sogar mein „Nein“ respektieren, dann ist hier etwas ganz und gar nicht in Ordnung. Einzige Ausnahme:
    Wenn es um die Gesundheit geht entscheiden die Eltern. Z.B.: Impfungen! Ja, jedes Kind darf sagen, dass es die Spritze nicht mag. Stimmen Sie dem Kind zu, zeigen Sie ihm, dass Sie es verstehen, aber: Hier geht es um die Gesundheit, da muss das Kind trotzdem die Spritze ertragen. Das gleiche gilt für Alltagssituationen wie ausreichender Schlaf, Hygiene und Zähne putzen und auch gesunde Ernährung.

    Handlungsalternativen:

    Wenn meine persönlichen Grenzen und meine Gefühle missachtet werden, habe ich mehrere Möglichkeiten zu reagieren. Die unklügste Variante wäre Gewalt einzusetzen. Gewalt wird durch Gewalt erwidert und ein Kreislauf setzt sich in Gang, der nicht so einfach zu unterbrechen ist. Aushalten und ertragen ist auch keine Option – also wie verhalte ich mich richtig? Ignorieren/weg gehen – Stopp sagen/ sich wehren – Hilfe holen?
    Nicht alle Handlungsalternativen sind für alle Situationen umsetzbar oder greifen sofort. Wenn mich jemand provoziert, ist die effektivste Methode, dass ich mich umdrehe und weggehe und so tue, als habe ich nichts gehört. Damit entziehe ich dem anderen die Angriffsfläche. Manchmal ist es aber sinnvoll, dem anderen zu sagen, dass ich das nicht hören möchte. Und wenn das alles nicht hilft, dann kann ich mir Hilfe holen. Zunächst greifen Kinder aber auf einen alten, gewohnten Erfahrungsschatz zurück. Von klein auf sind sie gewohnt, sich Hilfe zu holen. Wenn das Kind älter wird, müssen die anderen Handlungsalternativen erst noch erlernt werden. Mit jeder Situation, die Kinder selbständig meistern und bewältigen, wächst auch das Selbstbewusstsein. Aber auch das muss erlernt werden um aus alten Mustern herauszufinden.

    Hier kann man das Kind unterstützen, indem man fragt:
    – Was kannst du in der Situation tun? Welche Möglichkeiten hast du?
    – Hast Du es schon mit ignorieren probiert?
    – Hast Du dem anderen Kind schon gesagt, dass Du das nicht möchtest?

    Ermutigen Sie ihr Kind, neue Dinge auszuprobieren und geben sie ihm die Sicherheit, dass sie für ihr Kind da sind wenn es sie braucht. Bieten Sie ihm Hilfe und Unterstützung an. Versuchen Sie, Ihrem Kind als Vorbild zu dienen. Zeigen sie ihm, dass man Fehler machen darf und aus diesen auch lernen kann, ohne sich dafür zu schämen oder zu verurteilen.
    Wenn das Kind sich nicht in der Lage fühlt die Situation selbständig in den Griff zu bekommen, dann benötigt es Ihre Hilfe.
    Selbstverständlich überspringt man die Handlungsalternativen „ignorieren“ und „Stopp sagen“ wenn es um Gewalt geht. Auch zur Vermeidung von Gewalt helfen die Handlungsalternativen und Fragestellungen. Es bereitet Kinder schon früh darauf vor, zu überlegen, an welcher Stelle sie selber anders hätten handeln können. Die vermeintliche Schuld bei anderen zu suchen, ist der leichte Weg. Eine gute Vorbereitung für ein gewaltfreies Miteinander sind Fragen, die auf Eigenverantwortung hinweisen.

    Petzen/Hilfe holen:
    „Hilfe holen ist kein Petzen“ der berühmte Satz von „Zartbitter“ klingt einfach, doch gerade unter Kindern sorgt die unklare Definition von „Petzen“ immer wieder für Missverständnisse.
    Was ist also „Petzen“?
    Wenn wir das Thema mit den Kindern bearbeiten, dann entwickeln die Kinder für sich eine genaue Definition der Begriffe:

    „Hilfe holen“ – Die zur Hilfe geholte Person kann mir oder jemandem anderen helfen.

    „Petzen“ – hier kann niemand helfen, sondern man möchte nur, dass der andere Ärger bekommt.

    Natürlich kann beim „Hilfe holen“ auch jemand Ärger bekommen, aber die Hilfe die benötigt wird, hat Vorrang. Auch hier ist es ein Prozess für die Kinder, das Erlernte auch umzusetzen. Unterstützen kann man diesen Prozess mit der Frage:

    „Kann ich dir, oder jemand anderes helfen? Brauchst du Hilfe?“ Wenn hier aber Hilfe benötigt wird, ist es umso wichtiger, diese auch zu geben. Sonst kann es passieren, dass Kinder nicht mehr um Hilfe bitten. Gefährlich, wenn sie etwas wirklich Schlimmes oder Bedrückendes mit sich herumschleppen.

    Zu guter Letzt:

    Lassen sie bitte ihr Kind eigene Ideen finden und stehen diesem nur beratend und stärkend zur Seite. Natürlich nehmen Kinder am liebsten vorgefertigte Lösungen entgegen. Effektiver, und in der Situation auch abrufbar, sind aber Situationen, die das Kind im Kopf selbst schon einmal durchgespielt hat. Ihre Ideen sind Lösungen, die Sie anwenden würden. Das Kind brauch seine eigenen Lösungen, angepasst an seine eigenen Kompetenzen. Üben sie mit Ihrem Kind, mit Hilfe der o.g. Fragen und finden Sie gemeinsam heraus, welche Lösung zu ihm passt und welche Handlungsalternativen durchführbar gewesen wären.

    Jede Familie hat ihre eigenen Rituale, Regeln und Vorstellungen der Erziehung. Wir möchten mit unseren Tipps nicht in Ihre Erziehung eingreifen, sondern lediglich ein paar Anregungen bieten. Kinder lernen am Besten in einem Umkreis, in welchem sie sich sicher und wohl fühlen und auch dort probieren sie sich aus: in ihrem Zuhause. In neuen Situationen greifen Kinder auf Erfahrungswerte zurück – wenn sie aber nie gelernt haben „Nein“ zu sagen, und keine Erfolgserlebnisse mit ihrem „Nein“ hatten, werden sie es nicht in einer unsicheren Situation z.B. gegenüber einem Täter ausprobieren. Hören sie einfach auch auf ihr Bauchgefühl! Wir alle wollen für unsere Kinder das Beste und versuchen, dementsprechend zu handeln. Wahrscheinlich machen Sie das schon richtig gut so. Eltern, die diese Information lesen, sind interessiert und handeln auch instinktiv schon richtig. Gemeinsam miteinander – für ein gewaltfreies Miteinander